Redebeitrag anlässlich des CCs – Männerbünde zerschlagen, Patriarchat zu Fall bringen!

Liebe Genoss:innen,
 
Wir sind heute hier, weil die Verbindungen, die sich an diesem Wochenende in Hannover versammeln, Hindernisse sind, Hindernisse auf dem Weg zu einer befreiten Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können, in der alle die Möglichkeit hätten, ihre Potentiale, je nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten frei zu entfalten. 
 
Die studentischen Verbindungen wollen nämlich das Gegenteil und genau deshalb sind sie Hindernisse: Sie wollen die falsche Aufhebung der kapitalistischen Verhältnisse, um sich von den Widersprüchen loszusagen, sie wollen, wie es auf der Website der akademischen Landsmannschaft Niedersachsen heißt, „eine Rückzugsmöglichkeit in eine gleichgeschlechtliche Enklave“, also in anderen Worten eine homogene und konkrete Gemeinschaft – möglichst widerspruchsfrei. Sie sind verunsichert und haben Angst vor den gesellschaftlichen Transformationprozessen der letzten Jahrzehnte und der ökonomischen Krisenanfälligkeit. 
 
Mit den immer wiederkehrenden Krisen erhöht sich auch die Gefahr vor einem Jobverlust – für echte Männer unvorstellbar. Gleichzeitig dringen immer mehr Frauen und Queers in den männlichen Wettbewerb des Arbeitsmarktes ein. Die Burschen und alten Herren sehen sich in ihrer traditionellen Rolle bedroht und haben Angst vor dem Verlust der männlichen Hegemonie in der Erwerbsarbeit. Anstatt dem Hauen und Stechen auf dem Arbeitsmarkt etwas entgegen zu setzen, werden Männer zu Opfern umgedeutet und eine feministische Herrschaftsstratgie herbei fantasiert. 
 
Der Feind ist schnell ausgemacht, denn in der hegemonialen Männlichkeit dient die Frau immer nur als „schmeichelnder Spiegel“, immer nur in Referenz zum Mann und nie als vollwertiges Subjekt. Sobald Frauen mehr als das sein wollen, ist die Angst groß und die Identität des Mannes bedroht. 
 
Studentische Verbindungen und vor allem rein männliche und schlagende Verbindungen sind für diese verängstigten Männer eine perfekte Wohlfühloase.
Hier können sie Netzwerke bilden, sich gegenseitig protegieren und einander in hohe Positionen in Wirtschaft und Politik verhelfen.
Hier können sie gemeinsam die Angst abwehren und dem Wunsch nach Vereinheitlichung, nach völliger Konflikt- und Widerspruchsfreiheit nachkommen.
Hier macht der Einzelne „sich klein, um – als Teil des Großen – groß zu sein“. 
 
Unvorstellbar das so ein reaktionärer Haufen immer noch in unserer direkten Nachbarschaft wohnt oder? Noch unvorstellbarer wird es, wenn wir uns vor Augen führen, dass dort immernoch nach festen Regeln gefochten und gesoffen wird. Die Mensur ist das ritualisierte Fechten mit scharfen Waffen, erst durch die Mensur wird der Fux zum vollwertigen Mitglied in der Gemeinschaft. Ziel der Mensur ist das „Stehen“ – Also das Aushalten der Angst und des Schmerzes und die Überwindung der Schutz- und Abwehrreflexe. Alle Charaktereigenschaften die als weiblich gelten werden eliminiert, nur um sich selbst der Gemeinschaft unterordnen zu können und das „große Ganze“ zu ehren. 
 
Das Große Ganze ist dabei neben der eigenen Verbindung und dem Dachverband auch immer die Nation, ganz frei nach dem Motto des CCs „Ehre, Freiheit, Freundschaft, Vaterland“. Dabei steht der CC in guter deutscher Tradition, denn bekanntlich wurde in Deutschland auf die Widersprüche des Kapitalismus schon immer mit der falschen Auflösung reagiert und eine homogene Masse herbei konstruiert, die ihre Widersprüche verleugnet und auf ein Anderes projiziert und in diesem verfolgt und bekämpft.
 
Wir wollen das Wirken dieser Reaktionären nicht unwidersprochen lassen. Wir wollen dieses Hindernis, auf dem Weg zu befreiten Gesellschaft aus dem Weg räumen. Seien es die fetten Häuser, die Fantasiewappen und namen, die lustigen Farben oder die Aufnahmerituale – all das gehört entsorgt, niemand braucht das und niemand würde es vermissen.
 
Deshalb sagen wir: 
    Den Feinden der befreiten Gesellschaft entgegentreten
    Männerbünde zerschlagen 
    Das Patriarchat zu Fall bringen