Wer wir sind

Seit einiger Zeit treffen wir uns als politischer Zusammenhang um innerhalb einer Gruppe solidarischer Menschen, Standpunkte auszuarbeiten und diese kritisch zu beleuchten. Wir glauben, dass eine akzeptierende und solidarische Diskussionskultur für eine gute Zusammenarbeit unerlässlich ist und reflektieren uns deswegen regelmäßig.

Angesichts des offen rassistischen, homophoben, FLINT* feindlichen und antisemitischen Konsens in der Gesellschaft in der wir leben, betrachten wir es als dringend notwendig dem entgegenzuwirken und uns dafür zu organisieren.

Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“

Als grundlegend für unsere politische Zusammenarbeit erscheint es uns, den Kapitalismus als einen Zustand der dauerhaften Krise und die damit verbundene Ordnung als untragbar zu begreifen. Die Krise des Kapitalismus äußert sich zum Beispiel in globalen Fluchtbewegungen vor Hunger, Krieg und menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Sie äußert sich darin, dass auch in wirtschaftlich prosperierenden Gesellschaften immer mehr Menschen unter der Armutsgrenze leben müssen. Das aufkommen von reaktionären Ideologien und der weltweite Rechtsruck reihen sich als Symptome der immerwährenden Krise hierbei ein. Die Krise muss als solche benannt und bekämpft werden.

Die Grundlage für aktuelle wie bisherige autoritäre Formierungen ist für uns die auf Staat, Nation und Kapital bauende Ordnung in welcher wir leben.
In unserer Gesellschaft wird jedes Leben durch Lohnarbeitszwang und Leistungsdruck be- und verwertet. Die Angst in einer strukturschwachen Gegend den Arbeitsplatz zu verlieren, der Wettstreit um Wohnraum und die Unsicherheit im Alter, die kapitalistische Krise hat viele Facetten. Gleichzeitig streben wir im Privaten nach Effizienz, Selbstoptimierung und individuellem Glück. Wobei wir Beziehungen überprüfen auf ihren sozialen Nutzen, unseren Urlaub möglichst erlebnisreich planen, um ihn effektiv genutzt zu haben und selbst bei Lücken im Lebenslauf zumindest ein Ehrenamt einschieben. Dies führt zu Konkurrenzdenken, Vereinzelung, repressiv konstruierte kollektive Identitäten- wie Nationalität, Volk oder Geschlecht – und Hass auf die „Anderen“. Der Grundstein für Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ist dadurch gelegt und somit der bürgerlichen Gesellschaft innewohnend.

Wer aber von rassistischer Polizeigewalt nicht reden will, sollte auch vom NSU schweigen.

So wie die bürgerliche Gesellschaft den Boden für reaktionäre Ideologien bereitet, so haben ihre Behörden diese verinnerlicht. Das äußert sich zum Beispiel in rassistischen Kontrollen und Übergriffen durch Polizist*innen oder einem toxisch-maskulinen Kameradschaftskult innerhalb der Polizei. Ob Oury Jalloh in Dessau, Ahmed A. In Kleve oder Halim Dener in Hannover, es sind bereits genug Beispiele für Tote durch Rassist*innen in Uniform vorhanden und das bundesweit. Die neue zentrale Abschiebebehörde in Hannover- Langenhagen ist hierbei ein lokaler Ausdruck von institutionalisiertem Rassismus in den bundesdeutschen Behörden.

Der Rechtsruck ist auch, oder gerade hier zu Lande deutlich zu spüren.
Seit der deutschen Wiedervereinigung sind 193 Menschen durch rechtsextreme Gewalt gestorben, ob Walter Lübcke im Juni 2019 oder die rassistische Mordserie des NSU, es bleibt akut. Gerade in Zeiten in denen viel über deutsche Befindlichkeiten und Heimat diskutiert wird, in denen manche Grenzen des sagbaren verschwimmen, halten wir es für notwendig überall wo Neonazis 
und Rasisst*innen sich zeigen, präsent zu sein. Es muss gegen Reaktionäre aller Couleur vorgegangen werden, ob auf der Straße, Zuhause, bei der Arbeit oder im Hörsaal!

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“

Die neoliberale und patriarchale Ordnung unserer Gesellschaft ist selbsterhaltend, sie erscheint alternativlos. Tatsächlich sind alternative Lebensentwürfe und Gegenstrukturen von Repressalien und Kriminalisierung betroffen.

Wir werden sanktioniert, wenn wir nicht arbeiten können oder wollen.

Wir werden verfolgt, wenn wir keinen gültigen Pass besitzen.

Wir werden verhaftet oder marginalisiert, wenn wir für eine freie Gesellschaft eintreten und gegen Diskriminierung, Hass und Geschichtsrevisionismus auf die Straße gehen.

Im gleichen Moment reproduzieren wir alle die herrschende Ordnung täglich, indem wir sie leben. Wir alle reproduzieren nicht nur sexistische Rollenbilder, kolonial- rassistische, homophobe und antisemitische Denkmuster oder Stereotype, sondern selbst in manchen Arten des Widerstandes spiegeln sich die gleichen Mechanismen, die wir eigentlich kritisieren wollen.

Der Verzicht im Konsumverhalten auf beispielsweise Fliegen, reicht nicht um strukturelle Probleme zu beheben. Der Neoliberalismus verführt dazu, strukturelle Probleme auf sich selbst zu übertragen und somit einer fundamentalen Gesellschaftskritik im Wege zu stehen. Indessen können Sensibilisierung und Achtsamkeit im Konsumverhalten hilfreich sein strukturelle Probleme zu erkennen, die Veränderung wird es allerdings nicht herbei führen.

Face the Player, Fight the Game!“

Im Patriarchat und der damit verbundenen Ordnung, sind wir der Meinung, dass jede emanzipative Gesellschaftskritik feministisch sein muss. In unser patriarchalen Gesellschaft unterstützen wir jede FLINT* Person in ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben und fordern die Männer*, dass sie ihre Privilegien reflektieren und sich solidarisch positionieren. Um der Vereinzelung im kapitalistischen Alltag und der Formierung der Menschenfeinde gegenüber treten zu können, gilt es sich solidarisch zu organisieren. Wir müssen einander empowern und Schulter an Schulter gegen autoritäre Vereinnahmungen wirken.

Als Antifaschist*innen und Feminist*innen fordern wir eine freie Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können ohne dabei in Armut leben zu müssen. Eine Gesellschaft die anstatt auf Verwertungslogik und Ausbeutung, auf freie Assoziation und Solidarität fußt.
Zu diesem Zweck braucht es Infoveranstaltungen, Demonstrationen, Dialog und klare Kante.

Wir machen den Reaktionären die Straße und den Diskurs streitig! Für ein gutes Leben für alle!
Die befreite Gesellschaft erkämpfen!